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Urteil wegen Kopftritten in Hildesheim ist rechtskräftig

HILDESHEIM. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil der Strafkammer 1 des Landgerichts Hildesheim vom 18. Mai 2021 bestätigt, mit welchem ein heute 44-jähriger Mann wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie wegen räuberischen Diebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt wurde. Die Revision des Angeklagten hat der 6. Strafsenat des BGH durch Beschluss vom 21. September 2021 (6 Str 403/21) als unbegründet verworfen. Das Urteil des Landgerichts (12 Ks 17 Js 48157/20) ist damit rechtskräftig.

Nach den Feststellungen der Kammer hat der Angeklagte zunächst am 13.03.2020 einen räuberischen Diebstahl begangen, indem er in einer Hildesheimer Parfümerie mehrere Flaschen Parfüm zum Zwecke des späteren Verkaufs einsteckte und dann den ihn aufhaltenden Ladendetektiv durch die Androhung körperlicher Gewalt dazu brachte, ihn ziehen zu lassen.

Die schwerwiegendere Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beruht auf einem – infolge eines Streits zum Nachteil eines Freundes begangenen – massiven körperlichen Angriff vom 11.12.2020. Hierbei hat der erheblich alkoholisierte Angeklagte gegen 20 Uhr auf einer Rasenfläche in Hildesheim-Ochtersum seinem Freund zunächst mehrere Faustschläge gegen den Kopf versetzt, bis dieser zu Boden ging. Anschließend zog er ihn über den Boden und versetzte ihm zwei Tritte mit mäßiger Wucht gegen den Kopf. Nachdem er von Anwohnern bemerkt und angesprochen worden war, ließ er vorerst von dem ebenfalls stark alkoholisierten Geschädigten ab. Sodann kam er jedoch zurück und versetzte dem am Boden liegenden Mann zwei wuchtige stampfende Tritte gegen den Kopf und nahm dabei tödliche Verletzungen zumindest billigend in Kauf.

Selbst als nun andere Personen dazwischen gingen und den Geschädigten bis zum Eintreffen der Polizei schützen, versuchte der Angeklagte weiterhin, an diesen heranzukommen. Eine ca. eineinhalb Stunden später durchgeführte Blutalkoholuntersuchung ergab einen Wert von 2,48 g Promille. Der angegriffene Mann erlitt durch die potenziell lebensbedrohlichen Tathandlungen unter anderem eine Gehirnerschütterung, Schädelhämatome, Platzwunden sowie eine Thoraxprellung und musste für eine Nacht stationär behandelt werden.

Der Angeklagte hat hinsichtlich des Vorfalls vom 11.12.2020 jegliche Tritte in Abrede genommen, was die Kammer aber schon aufgrund des unbeteiligten Zeugen, in dessen Anwesenheit die Tritte erfolgten, als widerlegt ansah. Eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit aufgrund der Alkoholisierung und weiteren Rauschmittelkonsums war für die Kammer jedoch trotz des langjährigen Konsums nicht sicher auszuschließen, sodass von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen war. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ordnete die Kammer allerdings mangels entsprechender Erfolgsaussichten nicht an.

Bei der Strafzumessung hat die Kammer insbesondere die Verletzungen des Geschädigten sowie die Vorstrafen des Angeklagten berücksichtigt. Dieser befand sich seit dem Vorfall vom 11.12.2020 in Untersuchungshaft und wird zur Vollstreckung der verhängten Strafe weiter in Haft bleiben.

Artikel-Informationen

erstellt am:
14.10.2021

Ansprechpartner/in:
Herr Steffen Kumme

Landgericht Hildesheim
Pressesprecher
Kaiserstraße 60
31134 Hildesheim
Tel: 05121968472

https://landgericht-hildesheim.niedersachsen.de/

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